Die Tyrannentöter-Gruppe als Symbol der Demokratie

Kopfreplik des Aristogeiton, Gipsabguss-Sammlung Hamburg

AO (d. Marmorreplik): Madrid, Museo Nacional del Prado, Inv.-Nr.: 78-E
FO (d. Marmorreplik): Tivoli, Villa di Pisone (1779)
Maße:
Material: Marmor
Inschrift: keine; an der Marmorkopie: SIGNUM IN TIBURTINO PISONUM EFOSSUM MDCCLXXIX IOS. N. AZARA REST. C. / ΦΕΡΕΚΘΔΕΣ (moderne Inschrift)
Datierung (d. Marmorreplik): Ende 1. Jh. n. Chr.
Quellen (Auswahl): Hdt. 5, 55−58; Thuk. 1, 20. 6, 54−59; Aristot. Ath. pol 18; Val. Max. 2, 10; Plin. Nat. 34, 9; Paus. 1, 8, 5
Historischer Kontext: Der Historiker Herodot berichtet in seinen Historien des 5. Jh. v. Chr., dass Hipparchos, der Bruder des attischen Tyrannen Hippias in der Nacht zu den Panathenäen einen Traum gehabt habe, in dem ein großer, schöner Mann ihm eine rätselhafte Warnung aussprach, der er keine Beachtung schenkte. Am nächsten Tag sollte für diese Unnachsichtigkeit büßen, indem er von Harmodios und Aristogeiton bei dem Festzug getötet wurde (Her. 5, 55−58). Harmodios wird von Thukydides als ein großer, schöner Mann in der Blüte seiner Jugend beschrieben, welcher der Liebhaber des älteren, aus der Mittelschicht stammenden Aristogeiton gewesen sei (Thuk. Hist. 6, 54). Es sollte nach ihrer Tat 4 weitere Jahre dauern bis Hippias von den Spartanern ins Exil geschickt und damit die Tyrannei aus Athen vertrieben wurde (Thuk. Hist. 6, 59). Um 508/7 v. Chr. kam es dann zu den Kleisthenischen Reformen, die eine territoriale und administrative Reorganisation der Polis mit sich zogen und die Demokratie endgültig einleiteten. Dennoch wurden in der Folgezeit die beiden sog. Tyrannentöter Harmodios und Aristogeiton als Vertreiber der Tyrannenherrschaft und Wegbereiter für die Demokratie gefeiert und geehrt. So wurde ihnen zunächst eine bronzene Statuengruppe auf der Agora errichtet, die bis 393 die einzigen athenischen Ehrenstatuen darstellen sollte (vgl. dazu Krumeich – Witschel 2009, 197). Nachdem die Perser Athen besetzt hatten, nach wahrscheinlich Xerxes die Statuengruppe um 480 v. Chr. beim Rückzug mit nach Asien, woraufhin die Athener eine neue Statuengruppe aufstellen ließen, die dieses Mal von den Bildhauern Nesiotes und Kritios angefertigt wurde und von der noch heute zahlreiche Gipsabgüsse und Kopien erhalten sind, zu denen das Exemplar in der Hamburger Gipsabgusssammlung gehört. Anfang des 3. Jahrhunderts wurde die Antenor-Gruppe von Alexander dem Großen oder einem der Diadochen nach Athen zurückgebracht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.