Die Eroberung von Syrakus und die Bedeutung des Triumphes für Rom

Rom stieg mit der Herrschaft über ganz Italien im Anschluss an den Sieg über Pyrrus zur zweiten Großmacht im westlichen Mittelmeergebiet, neben Karthago auf. 264 v. Chr. kam es dann zum Konflikt zwischen beiden Mächten, da Messana, ein oskischer Staat in Sizilien, sowohl Karthago als auch Rom um Hilfe in seinem Konflikt mit Syrakus gebeten hatte. Hieraus entwickelte sich der 1. Punischen Krieg, der von 264-241 v. Chr. stattfand. Syrakus war zu diesem Zeitpunkt zwar die mächtigste Griechenstadt der Insel, jedoch den beiden Großmächten nicht gewachsen, sodass die Stadt nach einem anfänglichen Bündnis mit Karthago auf die Seite Roms wechselte. Als Ergebnis des Krieges wurde  Sizilien ohne das Gebiet der Stadt Syrakus die erste römische Provinz. In den Jahren 238/7 v. Chr. nutzte Rom eine Schwächephase Karthagos aus, um auch die Abtretung der Inseln Sardinien und Korsika durchzusetzen. Um diesen Verlust auszugleichen, weitete Karthago seinen Einflussbereich in Spanien aus. Die Konflikte zwischen Rom und Karthago führten dann 218 v. Chr. zum 2. Punischen Krieg, in dessen Verlauf Syrakus 215 v. Chr. auf die Seite Karthagos wechselte. Bereits 214 v. Chr. begannen die Römer mit der Belagerung der Stadt, die sich  bis zum Jahre 212 v. Chr. hinzog. Mitverantwortlich für die lange Dauer der Belagerung war auch Archimedes, einer der bedeutendsten Mathematiker der Antike, der in Syrakus lebte und nicht nur theoretische Schriften hinterließ, sondern auch Kriegsmaschinen konstruierte, die im Kampf gegen die Römer eingesetzt wurden. 212 v. Chr. endlich konnten die Römer unter dem Kommando des Marcellus die Stadt einnehmen. Marcellus war einer der profiliertesten Politiker des republikanischen Roms, der bereits im 1. Punischen Krieg mitgekämpft hatte und insgesamt fünf Konsulate erreichte. Archimedes fand bei der Eroberung der Stadt den Tod. Nach dieser Eroberung kamen erstmalig griechische Kunstwerke und Beutestücke in großer Zahl nach Rom.

Beutestücke

Die antiken Autoren Polybios, Cicero, Livius und Plutarch liefern dabei nur wenige konkrete Hinweise auf die Beutestücke aus Syrakus. So hat Marcellus auf jeden Fall zwei Globen mitgenommen, die beide von Archimedes gefertigt worden waren (Cic. Rep. 1, 21). Andere Quellen berichten nur, dass Marcellus die Zierden der Stadt, nämlich Statuen und Gemälde nach Rom bringen ließ (Liv. 25, 40, 1-2). Plutarch führt an, dass Marcellus die meisten und schönsten Weigeschenke (anathemata) nach Rom verbracht habe (Plut. Marc. 21, 1-2). Insofern hätte Marcellus auch bereits den Göttern geweihte Beutestücke, also Kunstwerke mit einer gewissen sakralen Bedeutung, nach Rom bringen lassen. Demgegenüber beteuert Cicero, dass Marcellus zahlreiche und berühmte Werke in Syrakus zurückgelassen habe und dass er keinen Gott angerührt oder entweiht habe (Cic. Verr. 2, 4, 121). Cicero ging es bei seinen Reden gegen Verres jedoch darum, Marcellus als gerechten Feldherrn und Römer darzustellen, der sich anders als der Verbrecher Verres an die Gesetze und das mos maiorum hielt (Pape 1975, 7). Verres, der einer Vorliebe für die Toreutik des 4. und 3. Jahrhunderts v. Chr. und die Skulptur der klassischen und spätklassischen Zeit hatte, war von 73 bis 71 v. Chr. Statthalter von Sizilien. Er eignete sich in dieser Funktion zahlreiche griechische Kunstwerke an und wurde auch wegen der Unterschlagung öffentlicher Gelder bekannt. Cicero vertrat als aufstrebender Anwalt und Politiker die sizilischen Gemeinen, die gegen Verres im Jahre 70 v. Chr. eine Klage wegen Erpressung betrieben und die mit dem Exil des Verres endete. Da passt es dann nicht ins Bild, dass Marcellus auch geweihte Götterbilder oder Weihgeschenke mitnahm. Außerdem widerspricht sich Cicero im Hinblick auf Marcellus, wenn er in der Verresrede behauptet, dass Marcellus kein Stück der Beute aus Syrakus selbst behielt, um es in seinen Gärten, seinem Hause oder seinem Landsitz aufzustellen (Cic. Verr. 2, 4, 121), aber in der re publica erwähnt, dass er einen Globus des Archimedes als Privateigentum behalten hatte (Cic. Rep. 1, 21). Insoweit ist den Aussagen Ciceros gerade aus den Verresreden nicht unbedingt Glauben zu schenken. Viel wahrscheinlicher ist es deshalb, dass auch geweihte Götterbilder und andere Weihgeschenke zur Beute gehört haben.

Verwendung der Beutestücke

Triumph

Die Römische Republik wurde von der Nobilität, einer kleinen Gruppe herrschender Familien, geführt, die die Magistraturen besetze und im Senat saß. Zwischen den Mitgliedern dieser herrschenden Gruppe bestand eine gewisse Rivalität und Konkurrenz um die begehrten Magistraturen, insbesondere dem Konsulat.  Als höchste Auszeichnung innerhalb der Nobilität galt es, nach einem siegreichen Feldzug vom Senat mit einem Triumph geehrt zu werden. Auch die erbeuteten Kunstwerke erfüllten eine wichtige Aufgabe im Triumph des siegreichen Feldherrn. So nutze Marcellus die Beutestücke für seinen Triumph und führte nach Plutarch sogar Götterbilder mit (Plut. Marc. 21, 1). Bei den hier angeführten Götterbildern dürfte es sich um sog. Kultbilder der Götter gehandelt haben, also solche Statuen einer Gottheit, die in oder vor dem ihr geweihten Tempel aufgestellt waren. Hiervon zu unterscheiden waren Weihegaben, die zwar auch den Göttern geweiht waren, aber gegenständlich nicht die verehrte Gottheit selbst darstellten. Die gezeigten Kunstwerke vermittelten den zuschauenden Römern einen Eindruck vom Reichtum und der Bedeutung des besiegten Gegners und trugen so indirekt zum Ruhm des siegreichen Feldherrn bei. Insbesondere das Zeigen der Götterbilder verdeutlichte in diesem Zusammenhang die Überlegenheit der römischen Götter, die Rom den Sieg verliehen hatten (Pape 1975, 41).

Voraussetzung für einen Triumph war der Sieg in einem bellum iustum. Der Feldherr selbst musste im Besitz des vollen imperium sein, also den Feldzug als Dictator, Consul oder Praetor geführt haben. Entscheidend war, dass der Senat den Triumph genehmigte. Der Triumphzug, die sog. pompa triumphalis begann am Morgen. Zuerst kamen die Wagen und Traggestelle, die sog. fercula, mit der Kriegsbeute. Hier wurden auch die erbeuteten Kunstwerke mitgeführt. Dann folgten die Kriegsgefangenen und bildliche Darstellungen der Kriegstaten. Hierauf kamen die Magistrate und der Senat mit dem Triumphator, der im jupiterähnlichen Ornat mit Lorbeerkranz auf dem currus triumphalis stand. Hinter ihm stand ein Sklave, der ihm eine Eichenlaubkrone über das Haupt hielt und mit den Worten „memento te hominem esse“ daran erinnerte, dass er sterblich sei. Zum Schluss folgten die Soldaten, die äußerst derbe Spottlieder auf den Feldherrn zum Besten gaben. Der Triumphweg zog sich über ca. 4 km über das Forum Boarium, durch den Circus Maximus und über das Forum Romanum zum Kapitol. Dort vollzog der siegreiche Feldherr das Opfer für Jupiter.

Weihung in Rom und an anderen Orten

Einige Beutestücke wurden auch geweiht und in Rom aufgestellt. Auch Marcellus weihte am Capenischen Tor einen Doppeltempel für Honos und Virtus, in dem eine Vielzahl der Beutestücke aus Syrakus aufgestellt wurde (Liv. 25, 40, 3 u. Cic. Rep. 1, 21). Nur Plutarch berichtet, dass Marcellus Stücke aus Syrakus auch in anderen Heiligtümern geweiht habe. So habe er das Kabirenheiligtum auf Samothrake und das Heiligtum der Athena in Lindos auf Rhodos bedacht (Plut. Marc. 30).  

Private Nutzung

Grundsätzlich hatte der Feldherr auch das Recht, Beutestücke für sich privat zu behalten. Marcellus hat nachweisbar für sich nur den einen Globus des Archimedes beansprucht (Cic. Rep, 1, 21) und sich insoweit im Gegensatz zu späteren Feldherren nur einen bescheidenen Teil der Beute selbst vorbehalten.

 Rechtliche Grundlagen und ihre Verwendung auf die Beute aus Syrakus

Für die römischen Autoren stand fest, dass die Kunstwerke aus Syrakus zur Kriegsbeute gehörten und deshalb rechtmäßig als Eigentum des Römischen Volkes nach Rom überführt werden konnten bzw. durften (Liv. 25, 40, 2). Sie ordneten die Beutestücke jedoch verschiedenen Kategorien unter. So unterschieden die antiken Autoren im Zusammenhang mit der staatlichen Aneignung mobilen Feindgutes zwischen praeda und manubiae. Dabei steht nach überwiegender Einschätzung praeda für die Kriegsbeute allgemein, während manubiae den Teil der Beute bezeichnet, der dem Feldherrn persönlich zustand (Koch 2009, 20). Von praeda und manubiae wiederum sind spolia zu unterscheiden. Den spolia kam als Kriegsbeute eine besondere Bedeutung  zu, da sie zusätzlich eine religiös-ideologische Konnotation besaßen (vgl. Koch 2009, 21). Hierzu dürften auch geweihte Götterbilder gehört haben. Dies bedeutet im Hinblick auf die Beutestücke aus Syrakus, die nach Rom gebracht wurden, dass alle zur Gruppe der praeda gehörten, während die Stücke, die Marcellus für sich selbst rekurrierte, als manubiae angesehen werden können. Hier muss wiederum unterschieden werden zwischen den Stücken, die er privat nutzen wollte und denen, die er weihen und damit der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen wollte. Schwieriger ist die Frage zu beantworten, ob Marcellus auch Beutestücke aus Syrakus mitnahm, die zu den sog. spolia gehörten. Plutarch berichtet, dass Marcellus Weihgeschenke (anathemata) mitgenommen habe (Plut. Marc. 21, 1). Hierunter fallen Objekte, die einem Gott geweiht und in seinem Tempel aufgestellt wurden. Insofern handelt es sich durchaus um Stücke mit einem sakralen Bezug, die den spolia unterfielen. Später führt Plutarch aus, dass Marcellus auch Götter im Triumphzug mitgeführt habe (Plut. Marc. 21, 4). Auch bei diesen dürfte es sich zumindest zum Teil um Statuen gehandelt haben, die zuvor in Syrakus den Göttern geweiht waren. Demgegenüber gibt Cicero an, dass Marcellus keinen Gott entweiht oder angerührt habe (Cic. Verr. 2, 4, 121). Doch ging es Cicero vor allem darum, Verres zu diskreditieren, indem er ihm Marcellus als leuchtendes Beispiel gegenüberstellte. Insofern wird man eher den Ausführungen des Plutarchs Glauben schenken können. Im Ergebnis spricht mehr dafür, dass auch spolia unter den Beutestücken waren, zumal Marcellus große Teile der Beute im Doppeltempel  der Virtus und des Honos weihte. Gerade für diesen Zweck eigneten sich sakrale Beutestücke besser als profane.

Fazit

Im Zuge der Eroberung Syrakus gelangten erstmalig große Stückzahlen hochwertiger griechischer Kunstwerke nach Rom. Damit begann die Bewunderung griechischer Kunst durch die römische Oberschicht. Gleichzeitig weckte dies den Wunsch derartige Kunstwerke zum einen selbst zu besitzen oder zum anderen  als Kriegsbeute den Göttern oder auch der römischen Bevölkerung zu weihen. Die Kriegszüge der folgenden Jahrzehnte bis zur Eroberung von Korinth im Jahre 146 v. Chr. boten der Nobilität hinreichende Möglichkeiten, diesem Wunsch nachzugeben. Die Mitnahme von Kunstwerken war für die Römer dabei legitim. Sie unterschieden aber zwischen praeda, manubiae und spolia. Bereits bei der Eroberung  von Syrakus waren diese Kategorien bedeutsam und die Beutestücke unterfielen einer dieser Kategorien. Die erste Aufgabe der Kunstwerke bestand darin, den Triumph des Feldherrn zu schmücken, der zudem zumindest zu diesem Zeitpunkt noch den überwiegenden Teil der Beute, die ihm als manubiae zugefallen war, öffentlich weihte und insoweit den Göttern und der römischen Öffentlichkeit zur Verfügung stellte.

Literatur

  • Koch 2009: M. Koch, Spolia-Praeda-Manubiae. Zur staatlichen Aneignung fremden Gutes in der lateinischen Literatur, in: T. G. Schattner – F. v. Fernandez (Hrsg.), Spolien im Umkreis der Macht, Iberica Archaeologica 12 (Mainz 2009)17-32
  • Pape 1975: M. Pape, Griechische Kunstwerke aus Kriegsbeute und ihre öffentliche Aufstellung in Rom. Von der Eroberung Syrakus bis in augusteische Zeit (Hamburg 1975) 

Quellen

  • Cic. Rep . Cicero, De re publica (Vom Gemeinwesen). Übersetzt und herausgegeben von Karl Büchner (Stuttgart 1979)
  • Cic. Verr. Cicero, 2. Rede gegen Verres. Eingeleitet, übersetzt und erläutert von Manfred Fuhrmann (Zürich und Stuttgart 1971)
  • Liv. Livius, Ab urbe condita (Römische Geschichte), Übersetzt von Güthling. Herausgegeben von L. Möller2 (Wiesbaden 2012)
  • Plut. Marc. Plutarch, Marcellus. Übertragen und erläutert von K. Ziegler (Zürich u. München 1980)

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