Die ägyptischen Obelisken in Rom

Verwendung der Obelisken

Die Obelisken, die unter Augustus nach Rom gebracht wurden, erfüllten in der Hauptstadt verschiedene Zwecke. So ließ Augustus den Obelisken, der heute auf der Piazza del Popolo steht, auf der spina im Circus Maximus aufstellen, sodass die Inschriften für die Zuschauer zu lesen waren (Iversen 1968, 22). Hier diente er als Wendepunkt bei Wagenrennen. Diese Aufstellung war öffentlich und diente zusätzlich der zur Schaustellung des Sieges über Ägypten (Hornig 2004, 50-51). Auch der Obelisk, den Caligula nach Rom bringen ließ, wurde auf der spina des Circus Vaticanus aufgerichtet. Einem weiteren Obelisken gab Augustus eine gänzlich andere Bestimmung. Er ließ ihn auf dem Marsfeld in seine Sonnenuhr als gnomon integrieren (Hornig 2004, 51). Über all die Jahre ist jedoch eine Faszination für die Obelisken unter verschiedenen Herrschern zu beobachten. Auch im Mittelalter und in der Neuzeit wurden sie transportiert, umgesetzt und wieder aufgestellt (Hornig 2004). In späteren Jahren stürzten die Obelisken, teils durch Erdbeben teils durch unbekannte Umstände, um und gerieten viele Jahre in Vergessenheit, bevor sie unter verschiedenen Päpsten wiederentdeckt und schließlich auch wiederaufgerichtet wurden. Dabei veränderten sie ihre Bedeutung oder ihren Zweck. In Ägypten waren sie Teil eines Heiligtums des Sonnengottes, in Rom wurden sie als Trophäe und Beute ausgestellt oder als Zeitzeiger verwendet. Unter den Päpsten, die einige Obelisken wiedererrichten ließen, stellten sie beispielsweise ein Zeugnis der Verfolgungen der Apostel dar (Iversen 1968, 41) und auch in moderner Zeit wurden noch Obelisken (allerdings kleinere) aus Ägypten nach New York, London und Paris gebracht und werden bis heute dort bewundert.

Die ägyptischen Obelisken in Rom

Obelisk auf der Piazza S. Pietro

Herkunftsort: Alexandria
Herstellungszeit: vor 30 v. Chr.
Höhe: 25,37 m
Gewicht: 330 t
Material: Rosengranit
Überführung: nach 37 v. Chr.
Unter: Caligula
Standort antik: Circus Vaticanus
Erneute Aufstellung unter: Papst Sixtus V., 1586
Standort heute: Petersplatz

Dieser Obelisk trägt im Gegensatz zu den anderen Obelisken keine Hieroglyphen auf den vier Seiten des Schaftes. Nur am unteren Schaftende befinden sich noch Reste von Inschriften, die auf die erste Aufstellung des Obelisken in Alexandria zurückgehen. Eine rekonstruierte Inschrift am Schaftende, welche sich unter der neueren von Caligula befindet, weist darauf hin, dass der Obelisk von Augustus in Auftrag gegeben wurde und unter dem ersten Statthalter Ägyptens Gaius Cornelius Gallus in Alexandria errichtet wurde (Alföldy 1990, 15-16; Habachi 2000, 104). Auf dem Pyramidion ist heute ein Kreuz aufgesetzt, welches bei der Wiedererrichtung unter Papst Sixtus V. hinzugefügt wurde. Auf der Ost- und Westseite sind gleichlautende Inschriften angebracht, die Caligula zugeschrieben werden, und die vergöttlichten Caesaren Augustus und Tiberius ehren. Der Obelisk wurde unter Caligula von Alexandria aus nach Rom gebracht. In diesem Fall schreibt Plinius der Ältere von einem eigens für diesen Transport errichteten Schiff (Plin. Nat. hist. 16, 201). Der Obelisk wurde nach dem Transport im Circus Vaticano aufgestellt, nicht weit von seinem heutigen Standort entfernt. Das Fundament zu seinem Standort konnte bei Ausgrabungen in der Nähe des Petersdoms gefunden werden (Habachi 2000, 104). Heute bildet der Obelisk den Mittelpunkt des Petersplatzes. Er wurde 1586 von Domenico Fontana, dem päpstlichen Architekten, hierhin versetzt und 1656/57 wurde um ihn herum von Lorenzo Bernini der Petersplatz geschaffen. Dabei wurden auch die Löwen hinzugefügt, die heute um den Obelisken stehen (Habachi 2000, 104; Iversen 1968, 37).

Obelisk auf der Piazza del Popoplo

Herkunftsort: Heliopolis, Tempel des Re
Herstellungszeit: Sethos I (1290-1279 v. Chr.)
Höhe: 32,77 m
Gewicht: 263 t
Material: Granit
Überführung: 10 v. Chr.
Unter: Augustus
Standort antik: Circus Maximus
Erneute Aufstellung unter: Papst Sixtus V., 1589
Standort heute: Piazza del Popolo

Geschaffen wurde der Obelisk unter Sethos I. und dessen Sohn Ramses II. Sein ursprünglicher Aufstellungsort war in Heliopolis im Tempel des Re (Habachi 2000, Kat. 3). Alle vier Schaftseiten des Obelisken tragen Hieroglyphen. Drei dieser Seiten wurden unter Sethos I. beschriftet, die vierte Seite von seinem Sohn Ramses II. Dieser Obelisk wurde als erster aus Ägypten nach Rom verbracht. Dort ließ Augustus ihn auf der spina des Circus Maximus aufstellen. Auf Münzabbildungen, in denen der Circus abgebildet ist, ist auch der Obelisk zu erkennen (Iversen 1968, 62). Nachdem dieser umgestürzt war, wurde er unter Papst Sixtus V. 1589 auf der Piazza del Popolo wieder aufgerichtet. Der Obelisk wurde bei dem Sturz beschädigt, aus diesem Grund musste ein Teil der Basis entfernt werden, die Inschriften des Augustus wurden jedoch auf den neuen Sockel übertragen.

Obelisk auf dem Monte Citorio

Herkunftsort:Heliopolis,
Herstellungszeit: Psammetich II. (594-589 v. Chr.)
Höhe: 21,79 m
Gewicht: 214 t
Material: Rosengranit
Überführung: 10 v. Chr.
Unter: Augustus
Standort antik: Marsfeld (Horologium Augusti)
Erneute Aufstellung unter: Papst Pius VI., 1792
Standort heute: Piazza Montecitorio

Auch dieser Obelisk stammt ursprünglich aus Heliopolis und wurde unter Psammetich II. hergestellt. Auf allen Seiten des Schaftes befanden sich ursprünglich Inschriften. Da der Obelisk jedoch umstürzte und zerbrach, wurde der Schaft ausgebessert und ein Teil der Inschriften ist heute verloren.  Er diente nach seiner Überführung unter Augustus auf dem Marsfeld als gnomon des Horologium Augusti. Auf der Basis fand sich im Norden und Süden die gleiche Inschrift, die Augustus als den Stifter des Obelisken an das römische Volk nennt (Iversen 1968, 142). Für den Zweck als gnomon wurde eine vergoldete Kugel auf der Spitze angebracht (Plin. Nat. hist. 36, 15, 72). Nachdem der Obelisk Ende des 1. Jh. v. Chr. umstürzte und verschüttet wurde, wurde er im 16. Jh. wiederentdeckt. Da die Ausgrabungen jedoch schwierig waren, weil der Obelisk in mehrere Teile zerbrochen war, wurde er zunächst nicht weiter ausgegraben. Erst Ende des 18. Jh. wurde der Obelisk unter Papst Pius II. an seinem heutigen Standort auf der Piazza Monte Citorio wiederaufgestellt.

Das Horologium Augusti

Die vermutete Sonnenuhr, bekannt unter dem Namen Horologium Augusti, wurde schon bei Plinius beschrieben (Plin. Nat. hist. 36, 15, 72). Doch über die tatsächliche Größe dieser Anlage gibt es verschiedene Meinungen. 1976 veröffentlichte E. Buchner einen ersten Artikel zur Rekonstruktion der Anlage. So soll zu dieser Anlage nicht nur die Sonnenuhr, sondern auch die Ara Pacis und das Mausoleum Augusti gehört haben (Buchner 1976). M. Schütz, ein Physiker, bewies jedoch 1990, dass der Schatten des Obelisken nicht weit genug gereicht haben kann, um die Ara Pacis zu erreichen (Schütz 1990). Erste Teile des Obelisken wurden bereits im 16. Jh. wiederentdeckt, jedoch erst im 18. Jh. wurde er erneut aufgerichtet (Heslin 2009, 3). Bei Ausgrabungen auf dem Marsfeld wurden in dem Gebiet, in dem Buchner die Sonnenuhr vermutete, Marmorboden, eine Bronzelinie und Inschriften gefunden (Buchner 1982). Die Linie und die griechischen Beschriftungen stellen jedoch keine Sonnenuhr dar, sondern einen Meridiananzeiger (Heslin 2009, 8). Der Schatten des Obelisken zeigte also nicht die Uhrzeit, sondern vielmehr die Jahreszeit an. Die gefundenen Überreste des Meridiananzeigers gehen jedoch nicht auf Augustus, sondern auf Domitian zurück. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass das Monument von Domitian auf einem Vorgänger aus der Zeit des Augustus errichtet wurde und Domitian zur erneuten in Funktionsname des Obelisken neue Linien ziehen ließ (Heslin 2009, 16-18).

Obelisk auf der Piazza S. Giovanni

Herkunftsort: Karnak, Tempel des Amun
Herstellungszeit: Thutmosis IV. (~1402 – 1393 v. Chr.)
Höhe: 32,15 m
Gewicht: 460 t
Material: Rosengranit
Überführung: vor 357 n. Chr.
Unter: Constantius II.
Standort antik: Circus Maximus
Erneute Aufstellung unter: Papst Sixtus V., 1588
Standort heute: Piazza S. Giovanni (in Laterano)

Der Obelisk trägt auf allen vier Schaftseiten Inschriften und steht auf einer Granitbasis (Iversen 1968, 57). In den Inschriften wird Thutmosis III. als Stifter genannt, jedoch geht aus diesen Inschriften auch hervor, dass der Obelisk erst unter Thutmosis IV. (Enkel des Thutmosis III.) fertiggestellt wurde. Nachdem Thutmosis III. verstarb, wurde der Obelisk erst unter seinem Enkel errichtet, dieses Ereignis wird in den Inschriften genannt. Konstantin der Große wollte den Obelisken 330 n. Chr. nach Konstantinopel überführen lassen. Zunächst wurde der Obelisk nach Alexandria verbracht, von wo ein Transportschiff den Obelisken nach Rom bringen sollte. Nach dem Tod Konstantins 337 n. Chr. blieb der Obelisk jedoch zunächst in Alexandria, bis Constantius II. den Abtransport nach Rom veranlasste (Iversen 1968, 56; Parker 2018, 139). Der Obelisk wurde ebenfalls auf der spina des Circus Maximus aufgestellt. Im 5. oder 6. Jh. n. Chr. stürzte der Obelisk um und zerbrach dabei. Unter Papst Sixtus V. wurde er 1588 ausgegraben und wiedererrichtet. Für die Wiedererrichtung wurde von dem Architekten Domenico Fontana eine neue Basis geschaffen, dabei gingen jedoch etwa 4 m verloren (Habachi 2000, 67).

Literatur

  • Alföldy 1990: G. Alföldy, Der Obelisk auf dem Petersplatz in Rom (Heidelberg 1990)
  • Buchner 1982: E. Buchner, Die Sonnenuhr des Augustus. Nachdruck aus RM 1976 und 1980 und Nachtrag über die Ausgrabung 1980/81 (Mainz 1982)
  • Buchner 1976: E. Buchner, Solarium Augusti und Ara Pacis, RM 83, 1976, 319-365
  • Casson 1956: L. Casson, The size of ancient merchant ships, in: Studi in onore di Aristide Calderini e Roberto Paribeni 1. Studi di storia e antichita greche e romane (Mailand 1956) 231-238
  • Chevrier 1954: H. Chevrier, Note sur l’érection des obélisques, ASAE 52, 1954, 309-313.
  • Dondelinger 1977: E. Dondelinger, Der Obelisk. Ein Steinmal ägyptischer Weltanschauung (Graz 1977)
  • Engelbach 1952: R. Engelbach, The problem of the obelisks (London 1952)
  • Habachi 2000: L. Habachi, Die unsterblichen Obelisken Ägyptens² (Mainz am Rhein 2000)
  • Harris 1961: J. R. Harris, Lexiconographical Studies in Ancient Egyptian Minerals (Berlin 1961)
  • Heslin 2009: P. Heslin, Augustus, Domitian and the so-called Horologium Augusti, JRS 97, 2009, 1-20
  • Houston 1988: G. W. Houston, Ports in perspective. Some comparative materials on Roman merchant ships and ports, AJA 92, 1988, 553-564
  • Iversen 1968: E. Iversen, Obelisks in exile. The obelisks of Rome (Kopenhagen 1968)
  • Parker 2018: G. Parker,Monolithic appropriation? The Lateran obelisk compared, in: M. P. Loar – C. MacDonald u. a. (Hrsg.), Rome, Empire of plunder. The dynamics of cultural appropriation (Cambridge 2018) 137-159
  • Röder 1965: J. Röder, Zur Steinbruchgeschichte des Rosengranits von Assuan, AA 1965, 467-552
  • Schlange-Schöningen 2012: H. Schlange-Schöningen, Augustus ²(Darmstadt 2012).
    Schütz 1990: M. Schütz, Zur Sonnenuhr des Augustus auf dem Marsfeld, Gymnasion 97, 1990, 432-457