Die ägyptischen Obelisken in Rom

Aufgrund ihrer Größe und den damit verbundenen Schwierigkeiten und Meisterleistungen bei Herstellung, Transport und Aufrichtung faszinieren Obelisken bis heute die Menschen. Auch durch Standortwechsel änderten sie im Laufe der Jahrhunderte ihre Bedeutung. Unter einem Obelisken versteht man einen langen, schlanken und sich nach oben hin verjüngenden Monolithen. Die Spitze bildet ein Pyramidion, welches in der Benutzungszeit der Obelisken vergoldet war (Habachi 2000, 9-10). Wann genau der erste Obelisk errichtet wurde, ist nicht genau festgehalten, doch es könnten bereits im 3. Jt. v. Chr. die ersten Exemplare in Ägypten entstanden sein (Habachi 2000, 10). Nach der Aussage von Plinius dem Älteren (23-79 n. Chr.) symbolisierten die Obelisken Sonnenstrahlen (Plin. Nat. hist. 36, 14). Die Obelisken wurden in verschiedenen Städten, vor allem zu Beginn jedoch in Heliopolis, dem Zentrum des Sonnenkultes, aufgestellt und waren dem Sonnengott geweiht (Habachi 2000, 10-11; Plin. Nat. hist. 36, 14). Die Obelisken trugen meist Inschriften auf allen vier Seiten in denen der Gott genannt wurde, dem sie geweiht wurden und ebenso auch der Name des Pharaos, der den Obelisken herstellen ließ (Habachi 2000, 11). In den meisten Fällen wurden sie paarweise in den Heiligtümern aufgestellt (Habachi 2000,13-14).
Es gab jedoch auch deutlich kleinere Obelisken, welche beispielsweise vor oder in (hier dann aus Holz) Gräbern benutzt wurden. Auf diesen wurden meist der Name und die Titel des Grabinhabers genannt (Habachi 2000,14-15). Die Form der Obelisken verbreitete sich durch Kontakte auch zu anderen Völkern wie den Phöniziern und Kanaanäern. Später wurden unter den Römern von verschiedenen Kaisern Obelisken errichtet oder aus Ägypten nach Rom und Konstantinopel transportiert und dort wieder aufgerichtet. Ebenso finden sich Obelisken aus Ägypten heute in London, Paris oder New York, die ihren Weg in diese Städte jedoch erst im 19. Jh. n. Chr. gefunden haben (Habachi 2000, 15).

Herstellung und Transport zum Tempel

Die Obelisken wurden in Steinbrüchen nahe des Nils hergestellt, so konnten sie per Schiff zu ihrem Aufstellungsort gebracht werden. Es gab beispielsweise Steinbrüche in Assuan und auf den Nilinseln Elephantine und Sehel (Habachi 2000, 17). Die Materialien waren roter oder schwarzer Granit, aber auch Quarzit und Basalt (Harris 1961, 69-78; Habachi 2000, 17). Die Herstellung eines Obelisken war sehr aufwendig und barg viele Risiken. Zunächst musste ein genügend großer Abschnitt im Steinbruch gefunden werden, aus welchem der Monolith herausgearbeitet werden konnte. Hier konnte es vorkommen, dass der Stein beispielsweise zu brüchig war und sich bereits bei Probebohrungen Risse bildeten (Habachi 2000, 18). Um den Monolithen aus dem Berg zu klopfen wurde ein etwa 1 m breiter Graben um die Form gehauen. Im Gegensatz zu den Arbeiten in der römischen Zeit wurden dabei keine Keile verwendet, sondern eine ‚Klopftechnik‘ (Dondelinger 1977, 79). Bei dieser wurde mit Klopfkugeln aus Dolerit eine Rinne um dem Umriss geklopft, wodurch Risse entstanden, durch die das Gestein ringsum abplatzte (Habachi 2000, 17; Dondelinger 1977, 79). Nach dem Herausarbeiten der Seiten wurden zum Lösen der Unterseite Baumstämme eingesetzt (Röder 512-515). Vermutlich wurde auch der Dekor, also die Inschriften an den Seiten und die Verzierung des Pyramidions im Steinbruch vorgenommen. An einem unvollendeten Obelisken in Gebel Simaan kann man noch das bereits teilweise verzierte Pyramidion sehen (Habachi 2000, 23). Bis auf das Anbringen des Dekors kann man die zuvor genannten Bearbeitungsschritte noch an einem unvollendeten Obelisken in Assuan nachweisen. Dieser wurde nicht fertig gestellt, da sich an verschiedenen Stellen Risse im Gestein gebildet hatten. Er wäre jedoch mit 41,75 m und einer Grundfläche von 4,20 m x 4,20 m der größte jemals hergestellte Obelisk gewesen. Außerdem gibt es Darstellungen in Wandmalereien, die die Herstellung, den Transport und die Aufrichtung von Obelisken zeigen (Habachi 2000, 17-18). Wie lange es dauerte bis ein Obelisk herausgearbeitet war, hing vor allem von seiner Größe ab. Ein Obelisk aus Karnak, der von der Königin Hatschepsut geweiht wurde, nennt in einer Inschrift eine Bearbeitungszeit von rund sieben Monaten (Dondelinger 1977, 80).
Ein weiteres Problem stellte der Transport der Obelisken dar. Da sie mehrere hundert Tonnen wogen, wurden sie den größten Teil ihrer Reise mit dem Schiff transportiert. Die Obelisken wurden möglicherweise mit einem Schlitten über Rampen ans Ufer gezogen und dort auf spezielle Schiffe verladen (der Vorgang des Beladens ist nicht weiter bekannt), um an ihren Aufstellungsort gebracht zu werden (Dondelinger 1977, 81; Habachi 2000, 20). Es gibt eine Zeichnung, die im Totentempel der Hatschepsut in Deir el Bahri erhalten ist, welche ein Langschiff zeigt, auf dem der Obelisk der Königin transportiert wurde (Dondelinger 1977, Abb. 99).  Darüber, wie die Obelisken an ihrem Aufstellungsort aufgerichtet wurden, gibt es verschiedene Theorien. So entwickelte R. Engelbach die These, dass für die Aufstellung der Obelisken eine Art Trichter aus Erde errichtet wurde und der Obelisk über dessen Seiten langsam herabgelassen wurde (Engelbach 1952, 69-70). Nach H. Chevrier wurde ein Obelisk auf eine mit Sand gefüllte Kammer gelegt und dann durch langsames leeren dieser Kammer aufgerichtet, ohne dass ein großer Teil des Obelisken längere Zeit frei steht (Chevrier 1954, 309- 313). Auch wie viele Menschen für die Herstellung, den Transport und die Aufrichtung der Obelisken notwendig waren, ist nicht genau bekannt. Es gibt jedoch Berechnungen, die von mehr als 8000 Personen ausgehen (Habachi 2000, 25), Herodot berichtet von 2000 Mann, die (nur) für den Transport einer Statue (ca. 10,50 m x 7,60 m x 4,40 m) nach Saïs von Nöten waren (Hdt. 2, 175).

Augustus und Ägypten

Nachdem Octavian, später Augustus, 33/ 32 v. Chr. Antonius und Kleopatra VII. den Krieg erklärt hatte, kam es 31 v. Chr. zur entscheidenden Schlacht bei Actium. Hier gewann Octavian und übernahm die Herrschaft über die wichtigsten Stützpunkte im Mittelmeerraum. Antonius und Kleopatra VII. nahmen sich ein Jahr später in Alexandria das Leben und so wurde Octavian zum Alleinherrscher über Rom und Ägypten (Schlange-Schöningen 2012, 77- 80). Durch die Kriegserklärung handelte es sich bei dem Kampf gegen Kleopatra und Antonius um einen bellum iustum, also einen gerechten Krieg. Dadurch konnte Octavian nach dem Sieg und mit der Herrschaft über Ägypten Kunstwerke und Schätze nach Rom bringen lassen.
Zu den Monumenten, welche nach Rom überführt wurden gehörten auch Obelisken (Strab. Geogr. 17, 1, 27; Plin. Nat. hist. 36, 14- 15). Noch heute stehen 14 Obelisken in der Stadt aufrecht. Außerdem sind Teile zerstörter Obelisken in anderen Bauwerken als Spolien verwendet worden (Habachi 2000, 103). Acht dieser Obelisken stammen ursprünglich aus Ägypten, daneben gibt es sechs weitere, die aus römischer oder italischer Zeit stammen (Habachi 2000, 103-113). Lediglich von vier ägyptischen Obelisken sind der frühere Standort, der Zeitpunkt und der Auftraggeber der Überführung bekannt. Diese Obelisken wurden unter römischen Kaisern nach Rom gebracht und an repräsentativen Orten wiedererrichtet. Nachdem sie danach teilweise umstürzten und in Vergessenheit gerieten, wurden sie unter verschiedenen Päpsten wiederentdeckt und teilweise an anderen Orten ein weiteres Mal aufgestellt.
Doch auch hier stellt sich bis heute die Frage, wie die Obelisken von Ägypten nach Rom transportiert wurden. Über den Obelisken, der heute auf dem Petersplatz im Vatikan steht, berichtet Plinius der Ältere von einem eigens für diesen Transport errichtetem Schiff unter Caligula (Plin. Nat. hist. 16, 201). Für den Lateransobelisken wurde ein eigenes Schiff geschaffen, mit dem der Obelisk über den Tiber bis an das Tor gebracht wurde (Amm. Res gestae 17, 4, 13-14; Dondelinger 1977, 83). Doch bei der Frage des Transports geht es nicht nur um die Größe der Schiffe, sondern auch um die Größe des entsprechenden Hafens, denn schließlich brauchte ein Schiff, welches einen Obelisken von über 30 m transportierte auch einen entsprechenden Anlandeplatz. Es ist bekannt, dass es Schiffe in verschiedenen Größen in der Flotte des römischen Reiches gab (Casson 1956, 234; Houston 1988, 556). Aus einem Dokument von Thasos aus dem 3. Jh. v. Chr. geht hervor, dass Häfen in zwei Bereiche eingeteilt waren, für kleinere (nicht unter ~80 t Ladung) und größere (nicht unter ~130 t Ladung) Schiffe (Casson 1956, 234). Die meisten Schiffe hatten gemischte Ladungen an Bord und außerdem waren die Schiffe auf eine Lebenszeit von mehreren Jahren ausgelegt (Houston 1988, 558). Von den größten Schiffen, nach Casson mit einer Ladung von ~1300 t, gab es nicht viele in der Flotte (schriftliche Berichte gibt es nur über drei größere Handelsschiffe (Casson 1956, 232)), sie wurden extra für bestimmte Zwecke angefertigt (Casson 1956, 238).
Auch wenn es nur wenige Berichte über die Transporte gibt, ist es erstaunlich, dass es keinen einzigen Bericht gibt, der von einem Scheitern einer solchen Überfahrt berichtet (Hornig 2004, 53).