Der Thermenherrscher

Beim sog. Thermenherrscher handelt es sich um das überlebensgroße Bronzebildnis eines unbekleideten Mannes (Ridgeway 2000, 305). Es wurde nach seinem vermutlichen  Aufstellungsort benannt (Schraudolph 2007, 230). Heute ist der Thermenherrscher im Thermenmuseum in Rom ausgestellt und mit der Inventarnummer 1049 versehen. Die Figur ist insgesamt 2,22 m hoch (http://arachne.uni-koeln.de/item/objekt/16813.)
Die Plastik kam im Februar 1885 bei Ausschachtungsarbeiten am Fuße des Quirinals zum Vorschein. Über die genauen Fundumstände ist nichts mehr bekannt. Jedoch gibt eine weitere, in der Nähe gefundene Bronzeplastik hierzu einige Hinweise. Bei dieser handelt es sich um das Bildnis eines sitzenden Faustkämpfers (http://arachne.uni-koeln.de/item/objekt/16768). Dieses war sorgfältig auf ein Säulenkapitell gesetzt und mit gesiebter Erde bedeckt worden. Daher ist anzunehmen, dass die Figuren dort absichtlich versteckt worden sind. Es wird allgemein angenommen, dass die beiden Bronzebildnisse zur Ausstattung der Konstantinsthermen gehörten, die sich einst im Fundgebiet befanden (Lanciani 1888, 304-307; Himmelmann 1989, 18f.). Die Figur des sog. Thermenherrschers war bei ihrer Auffindung nahezu vollständig erhalten (Schraudolph 2007, 229). Beschädigt waren nur das Knie des linken Beines, sowie die Schulterpartie des linken Armes (Lehmann 1996/97, 110-112). Diese wurden restauriert. Modern ergänzt sind Teile des linken Zeige- und des rechten Mittelfingers. Desweiteren fehlen die Augen, welche vermutlich separat gearbeitet und eingesetzt worden waren. Die Oberfläche weist insgesamt lediglich leichte Abreibungsspuren auf (http://arachne.uni-koeln.de/item/objekt/16813.) 

Die Figur steht aufrecht auf ihrem rechten Bein, das linke Bein ist angewinkelt. Vom linken Fuß berührt lediglich der Ballen den Boden. Durch die Schrittstellung der Beine, schiebt sich die Hüfte der Figur nach rechts. Auf Höhe der Taille ist der Oberkörper rechts gestaucht und die linke Flanke gedehnt. Der linke Arm ist erhoben und umfasst einen Stab, der rechte Arm ist leicht angewinkelt. Die rechte Hand ist auf Hüfthöhe im Rücken abgelegt. Durch die Dehnung auf der einen und die Stauchung auf der anderen Seite des Torsos, erhält dieser einen leichten S – Schwung. Der Kopf der Figur ist zu ihrer rechten Seite gedreht und das Kinn leicht gesenkt. Das Haar ist voll und plastisch ausgebildet. Auf der unteren Gesichtshälfte ist ein, kurzer Vollbart eingeritzter, der bis zum Kehlkopf hinabreicht. In der Mitte der Stirn befinden sich eine Einsenkung und eine oberhalb der Nasenwurzel zusammengezogene Wulst. Die Augen stehen eng zusammen, zudem sind Krähenfüße und Tränensäcke angedeutet (Lehmann 1996/97, 133). Auf dem Körper der Figur sind außerdem zwei bereits in der Antike aufgebrachte Inschriften zu finden. Eine von diesen befindet sich auf dem Torso oberhalb des Bauchnabels: „L.VI.P.L.XXIIX“ und die zweite auf dem Oberschenkel: „MAR“. Die erste von diesen wird in der Forschungsliteratur oft als Inventarnummer gedeutet (Andreae 1998, 108; Lehmann 1996/97, 118).