Projekt

Projektseminar: Glories of the Past! – Wirkung, Wahrnehmung und Einfluss von Raub- und Beutekunst von der Antike bis in die Gegenwart

Im Sommersemester 2018 haben sich Studierende der Klassischen Archäologie innerhalb eines Projektseminars mit dem Thema „Glories of the Past! – Wirkung, Wahrnehmung und Einfluss von Raub- und Beutekunst von der Antike bis in die Gegenwart“ auseinandergesetzt. Die Ergebnisse des Seminars waren vom 18.12.2018-31.03.2019 in der von Ihnen konzipierten Ausstellung „Glories of the Past! – Antike Meisterwerke zwischen Raubkunst und Kommerz“ in der Gipsabguss-Sammlung des Archäologischen Instituts ausgestellt. Das Projektseminar wurde durch den Innovationsfond der Fakultät für Geisteswissenschaft gefördert.

Ausgehend von aktuellen Debatten zum Umgang mit geraubter Kunst, die zum Teil aus systematisch angelegten Raubgrabungen stammen, teils Kulturgüter des illegalen Handels aus Krisengebieten darstellen, beschäftigte sich das Seminar vor allem mit den historischen Dimensionen und der Wahrnehmung solcher Kunstwerke in der Antike.

So galt es zunächst die Begriffe Raub- und Beutekunst differenziert für die Antike zu definieren und gegen moderne Bedeutungsebenen abzugrenzen. Hierfür führten die Studierenden zunächst eine Analyse der antiken Literatur hinsichtlich Wahrnehmung und Bewertung von Raub- und Beutekunst durch. Ein grundlegender Arbeitsschritt, da die Einordnung von Kunstwerken als Raub- und Beutegut zwar nicht ausschließlich, aber doch häufig nur über die antiken Quellen erfolgen kann. Hinzu kommt, dass in der Antike offenbar ein erheblich abweichender Wertekanon bei der Bewertung von Raub- und Beutekunst zugrunde gelegt wurde.

Es galt, gewisse Rahmenbedingungen zu erfüllen, um sich Kunstgegenstände legal anzueignen. Im römischen Recht lagen hier zum Beispiel die Regeln eines bellum iustum zugrunde. Die hierbei erbeuteten Denkmäler galten als rechtmäßige Beute der Sieger. Diese Beutekunst war daher für die weitere öffentliche Aufstellung prädestiniert und konnte in der Folge auch Träger politischer Botschaften sein. Der Raub von Kunstwerken aus Heiligtümern hingegen galt als frevelhaft und auch die widerrechtliche Aneignung von Kunstgegenständen zur Steigerung des persönlichen Vorteils war zumindest in der öffentlichen Meinung negativ konnotiert, vermutlich auch, da sie durch die Aufstellung im privaten Bereich zum persönlichen Kunstgenuß oder durch Veräußerung der Vermehrung des privaten Vermögens der  Allgemeinheit entzogen war.

Anhand exemplarischer Beispiele erstellten die Studierenden Historien für einzelne Denkmäler und untersuchten, ob sich durch Raub und Wiederaufstellung innerhalb eines geänderten Kontextes Veränderungen in der Wahrnehmung eines Kunstwerkes abzeichneten. Als Gradmesser für die Zunahme von Berühmtheit und Beliebtheit, bzw. einer gesteigerten Wertschätzung eines Kunstwerkes wurde unter anderem der Einfluss auf die zeitgenössische Kunst, insbesondere durch Reproduktionen in der Kleinkunst herangezogen. So lag die Annahme zugrunde, dass die Umsetzung von Skulptur in der Klein- und Flächenkunst zumindest von einem erhöhten Bekanntheitsgrad des Kunstwerks zeugt.

Dieses Grundprinzip wurde für Kunstwerke in der Antike verfolgt, wie auch für antike Denkmäler in der Moderne.